Digitalisierung bedeutet Menschen in den Mittelpunkt zu stellen

Dies ist der 4. Teil meiner Blog-Reihe zur Einführung in die Digitalisierung. Teile 1, 2 und 3 finden sie hier, hier und hier.

 

Teil 4

Am Anfang und am Ende steht doch immer der Mensch

 

Wenn man mit den Worten “Digitalisierung” oder “Digitaler Wandel” konfrontiert wird, denken die meisten als erstes an Technologie: Ob Künstliche Intelligenz, Roboter, Virtual Reality und Augmented Reality, das Internet der Dinge, Blockchain und Bitcoin, oder Industrie 4.0 – die sprachliche Welt der Digitalisierung ist eindeutig technisch.

 

Was dabei leicht untergehen kann ist die Tatsache, dass der Kern der Digitalisierung der Mensch bleibt. Alle technischen Errungenschaften, welche die Digitalisierung hervorgebracht hat, dienen den Wünschen von Menschen; Wünschen wie z. B. dem Wunsch nach Vereinfachung der eigenen Arbeit, nach mehr Effizienz, nach höherer Qualität, nach Konsistenz, nach detaillierter Echtzeit-Information und nach Abstimmung verschiedener Abläufe.

 

Wer sind meine User?

Die Digitalisierung ist somit ein Instrument der Menschen. Jede digitale Lösung ist nur so viel wert wie sie auch von ihren Benutzern angewendet, gepflegt und ständig weiterentwickelt wird. Damit dies effektiv geschieht, muss jede digitale Lösung daher voll und ganz auf die Bedürfnisse seiner Nutzer angepasst werden – und zwar aller seiner Nutzer.

 

Zum Beispiel muss man dabei folgendes berücksichtigen:

      • Die Zugehörigkeit der User im Bezug auf das Unternehmen: Sind es Interne und/oder Externe? Dies hat zum Beispiel große Auswirkungen darauf, inwieweit die Nutzer ein Interesse haben, ein neues Tool zu erlernen und zu nutzen.

     

      • Die Vielfältigkeit der Nutzer: Gibt es viele unterschiedliche Gruppen, oder nur eine/wenige homogene Gruppe? Dies hat wiederum Auswirkungen auf:
          • Deren technisches Wissen: Mit welcher technischen Komplexität können sie umgehen?
          • Deren Erwartungshaltung: Welche Funktionen, welchen Aufbau, welche Flexibilität erwarten sie – und verweigern eventuell eine Nutzung, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden?
          • Deren gelerntes Verhalten: Was sind die User von den Geräten und Tools gewohnt, die sie sonst benutzen (privat und beruflich)? Sehr intuitive Benutzeroberflächen? Standardisierte Windows-Layouts? Programmiersprache?

         

      • Die bisher genutzten Geräte und Tools der User: Kann man auf bestehendes aufbauen? Das Rad komplett neu zu erfinden kostet nicht nur Zeit und Geld, sondern erfordert auch, dass man die User überzeugt, vom althergebrachten zu wechseln. Oft ist da ein Auf- und Ausbau sicherer als eine Neuerfindung.

     

      • Der Mehrwert für den User: Man selbst ist natürlich vollkommen von der digitalen Lösung, die man entwickelt/angeschafft hat, überzeugt da sie für das Unternehmen einen klaren Mehrwert bietet. Doch wie sieht das für alle anderen User aus, die das System mitbenutzen müssen, damit es sein volles Potenzial entwickeln kann? Bietet es auch für sie einen wesentlichen Mehrwert, den diese User auch wirklich schätzen? Wenn nicht, wird es sehr schwer bis unmöglich werden, alle User dazu zu bringen, die neue Lösung auch zu verwenden.

     

    • Mögliche Bedenken der User: Skepsis gegenüber Veränderung ist menschlich. Nutzer werden neuen digitalen Entwicklungen grundsätzlich erst einmal vorsichtig gegenüber stehen, und einige Bedenken haben – von Datenschutz, über ethische Fragen bis hin zu einfachen Berührungsängsten. Für eine erfolgreiche Umsetzung einer neuen digitalen Technologie ist es essentiell, dass man diese Bedenken ernst nimmt, anspricht, und aus dem Weg räumt, ob durch Aufklärung oder technischen Anpassungen. Alles andere kann wieder dazu führen, dass die User sich nicht auf die digitale Lösung einlassen und deren volles Potenzial kaum oder gar nicht ausgeschöpft werden kann.

 

Es wird also ersichtlich, dass die Digitalisierung im eigenen Unternehmen nicht nur strategisches und technisches Verständnis voraussetzt, sondern auch eine ordentliche Portion Menschenverständnis.

 

Die Digitalisierung ersetzt Aufgaben, keine Menschen

Eine Hauptangst in der Digitalisierung ist, dass sie Menschen ersetzt – wieder ein schönes Thema, über das sich die Medien zuhauf auslassen. So ganz stimmt das allerdings nicht; die Digitalisierung kann “nur” einfache und auch sehr komplexe Aufgaben automatisieren, die bisher von Menschen ausgeführt wurden. In manchen Bereichen kann dies tatsächlich kritisch werden, wenn z. B. Roboter nun Aufgaben erledigen, die sonst von nicht- bis wenig-ausgebildeten Arbeitskräften ausgeführt wurden. Für diese wird es sicherlich eine Herausforderung, eine neue Lebensgrundlage zu finden, und Ausbildung und Umschulung werden hier eine immense Rolle spielen. In anderen Bereichen jedoch würde ich sogar sagen, dass die Digitalisierung die Aufgaben der Menschen primär unterstützt und das Potenzial ihrer Arbeit noch verbessert.

 

In der Pflege, zum Beispiel, können Roboter und Überwachungssysteme viele grundlegende Aufgaben übernehmen, die heutzutage das vollkommen überlastet Personal noch stemmt. Ob Pillendöschen anrichten, Essen auf Zuruf zubereiten oder erwärmen, oder bei der Suche nach der dreimal am Tag verlorenen Brille helfen – dies wären alles Aufgaben, die denkbar auch mit Robotern oder anderen digitalen Systemen abgedeckt werden könnten. Die menschlichen Pfleger hätten gleichzeitig mehr Zeit und Möglichkeiten, sich um zwischenmenschliche Betreuung zu kümmern, insbesondere der persönlichen Ansprache.

 

Auch wenn die Technik also in der Regel das erste und das häufigste ist, was einem beim Thema Digitalisierung begegnet, steht und fällt der Erfolg des digitalen Wandels schlussendlich doch wieder mit den üblichen Verdächtigen – den Menschen.

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