Christine Weitbrecht

Digitalisierung im Mittelstand

Welche Fähigkeiten von Arbeitnehmern überdauern im Digitalen Wandel?

“Jeder Zehnte bald arbeitslos – Digitalisierung zerstört 3,4 Millionen Stellen” – so berichtet es die FAZ heute. Solche Experten-Schätzungen über die negativen Folgen der Digitalisierung machen sich immer gut (à la “only bad news are good news”) um Klicks zu generieren, sind letztendlich jedoch mehr oder weniger nichtssagend.

 

Die eigentliche Frage lautet: “Was kommt stattdessen?”

Dass mit der Digitalisierung Jobs verloren gehen ist allen klar. Ob es dabei 1, 2, oder 3,4 Millionen sind, spielt nicht die Rolle. Das, worüber wir sprechen sollten ist doch eher: Wenn die Fähigkeiten, die viele Arbeitnehmer aktuell besitzen, überflüssig werden weil sie leicht durch Roboter und Computer ersetzt werden können, welche Fähigkeiten müssen Arbeitnehmer dann in Zukunft haben, um in einer digitalisierten Welt so lange wie möglich (idealerweise ein Leben lang) erfolgreich zu sein?

 

Und Unternehmen müssen sich fragen: Worauf muss ich bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern achten, damit sie die Digitalisierung meines Unternehmens mit vorantreiben können?

 

Vor allem ist die Digitalisierung ein ständig andauernder Prozess. Es gibt keinen Punkt, an dem alle Unternehmen digitalisiert sind, alle Prozesse neu angepasst, und alle Roboter aufgebaut. Die digitalen Technologien entwickeln sich immer weiter, und mit ihnen unsere Welt, unsere Wirtschaft, unsere Unternehmen, und unsere Arbeitsplätze. Das bedeutet für Arbeitnehmer, dass sie die Fähigkeit besitzen müssen, mit einem ständigen Zustand der Veränderung umzugehen und diese Veränderung am besten noch mit voranzutreiben.

 

 

 

Das entspricht konkret folgenden Eigenschaften:

  • Digitale Kompetenz: Digitale Technologien sind ein Instrument,welches auf verschiedene Arten für ganz unterschiedliche Zwecke und Aufgaben angewendet werden kann. Damit man ein Instrument jedoch effektiv einsetzen kann, muss man verstehen, wie es funktioniert. Daher ist es wichtig, dass Arbeitnehmer in Zukunft ein grundlegendes Computer-Fachwissen besitzen. Nicht im Sinne von MS Office und SAP, sondern ein prinzipielles Verständnis, wie Computer und deren wesentliche Anwendungen funktionieren, z. B. der Unterschied zwischen einer Datenbank und dem Interface, welches genutzt wird, um sie zu bedienen; wie Computer Informationen verarbeiten, d.h. welche Informationen sie benötigen und in welcher Form; oder ganz simpel, was eine Software eigentlich ist.  Ein solches Wissen macht es viel einfacher, mit ständigen digitalen Neuerungen umzugehen, da sich die zugrundeliegenden Prinzipien nicht oder sogar nie ändern.

 

  • Übertragbare Fähigkeiten: Im Englischen bezeichnet man mit dem Ausdruck transferable skills Fähigkeiten, welche unabhängig von Fachbereich, Position und Branche eingesetzt werden können. Viele dieser übertragbaren Fähigkeiten werden im Zeitalter der Digitalisierung noch weitaus mehr an Wichtigkeit gewinnen, zum Beispiel:
    • Analytisches Denken: Die Fähigkeit, logisch und strukturiert an eine Situation heranzugehen, Zusammenhänge zu erkennen, Ursachen für Probleme zu finden, und effektive Lösungen zu erarbeiten ist wesentlich wenn es darum geht, zu erkennen, wie sich die eigenen Aufgaben verändern, und welche neuen inhaltlichen, organisatorischen und unternehmerischen Bedürfnisse in der Anwendung digitaler Technologien entstehen.

     

    • Teamfähigkeit & cross-funktionales Arbeiten: Die Digitalisierung ist vor allem ein Prozess der Vernetzung. Es geht darum, Abläufe eng auf einander abzustimmen, Informationen denjenigen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen, der sie braucht, und Systeme ganzheitlich zu betrachten. Dementsprechend arbeitet man immer mehr bereichsübergreifend, was bedeutet, dass Arbeitnehmer in der Lage sein müssen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und gut mit sehr unterschiedlichen Abteilungen und Partnern zusammen zu arbeiten.

     

    • Organisatorische Fähigkeiten: Die Herausforderung bei der Nutzung digitaler Technologien ist, dass deren Ergebnisse so gut sind wie das, was ihnen zuvor eingegeben wurde. Eine Bilddatenbank funktioniert zum Beispiel nur dann gut, wenn alle Bilder mit Stichwörtern hinterlegt sind, dasselbe Stichwort jedes Mal gleich geschrieben ist, und es klar ist, welche Stichwörter überhaupt benutzt werden sollen. Das erfordert eine unglaubliche Disziplin von allen, welche die Datenbank pflegen und darin neue Inhalte hochladen. Aus diesem Grund sind organisatorische Fähigkeiten und vor allem auch organisatorische Disziplin essentiell wenn es um eine effektive Nutzung digitaler Technologien geht. Ordnung muss da auf jeden Fall sein, und alle müssen mithelfen, die Ordnung zu erhalten.

     

    • Zahlenverständnis: Digital heißt Zahlen. Ein großer Nutzen digitaler Anwendungen ist der, dass man Unmengen von Zahlen aufrufen kann, in der Regel in Echtzeit, um von Qualität bis Produktionsmengen, Webseiten-Klicks und Conversion Rates so ziemlich alles auswerten kann, was geht. Damit diese Auswertungen jedoch auch verlässlich sind, müssen diejenigen, die sie anfertigen, ein gutes Verständnis für Zahlen und Statistik haben.

     

    • Kreativität: In einer Welt, in der es ständig neue Technologien gibt und sich Regeln und Verhaltensweisen immer wieder ändern ist es wichtig, dass Arbeitnehmer in der Lage sind, die Möglichkeiten, die durch diese Veränderungen entstehen, zu erkennen und zu nutzen. Sie sind diejenigen, welche die Anforderungen ihres Aufgabenbereichs am besten verstehen, und die daher im Idealfall mit daran arbeiten sollten, die Digitalisierung des gesamten Unternehmens mit voranzutreiben.

     

 

 

  • Flexibilität & Offenheit: Wenn noch nicht einmal klar ist, wie die Welt in 5 Jahren aussehen wird, bedeutet das für Arbeitnehmer, dass sie neuen Aufgaben und Tätigkeiten gegenüber offen sein müssen, und flexibel genug, um sich wiederholt auf ein sich wandelndes Unternehmen einstellen zu können. Durch entsprechend gelerntes Verhalten, und den Erwerb von universalen Fähigkeiten wie den oben genannten transferable skills, können Arbeitnehmer auch in dieser Hinsicht auf das Arbeiten in einer digitalisierenden Welt vorbereitet werden.

 

Eine Aufgabe für die Gesellschaft – und vor allem für Unternehmen

Somit bleibt nur noch die Frage: Wie können wir sicherstellen, dass die meisten Arbeitnehmer diese Fähigkeiten auch erlernen können? Was bedeutet dies für Schul- und Ausbildung? Inwieweit und auf welche Weise können bestehende Arbeitnehmer umgeschult werden? Wenn man die aktuellen Koalitions-Verhandlungen in Berlin verfolgt, wird klar, dass es in der Politik noch etwas dauern wird, bis von dort aus Anstrengungen kommen, die deutschen Arbeitnehmer auf die Arbeit in einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Somit liegt die meiste Last bei den Unternehmen, Lösungen zu finden, wie sie sicherstellen, dass sie auch in 10 Jahren noch Arbeitnehmer finden, welche ihrem Bedarf gerecht werden.

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Digitalisierung bedeutet Menschen in den Mittelpunkt zu stellen

Dies ist der 4. Teil meiner Blog-Reihe zur Einführung in die Digitalisierung. Teile 1, 2 und 3 finden sie hier, hier und hier.

 

Teil 4

Am Anfang und am Ende steht doch immer der Mensch

 

Wenn man mit den Worten “Digitalisierung” oder “Digitaler Wandel” konfrontiert wird, denken die meisten als erstes an Technologie: Ob Künstliche Intelligenz, Roboter, Virtual Reality und Augmented Reality, das Internet der Dinge, Blockchain und Bitcoin, oder Industrie 4.0 – die sprachliche Welt der Digitalisierung ist eindeutig technisch.

 

Was dabei leicht untergehen kann ist die Tatsache, dass der Kern der Digitalisierung der Mensch bleibt. Alle technischen Errungenschaften, welche die Digitalisierung hervorgebracht hat, dienen den Wünschen von Menschen; Wünschen wie z. B. dem Wunsch nach Vereinfachung der eigenen Arbeit, nach mehr Effizienz, nach höherer Qualität, nach Konsistenz, nach detaillierter Echtzeit-Information und nach Abstimmung verschiedener Abläufe.

 

Wer sind meine User?

Die Digitalisierung ist somit ein Instrument der Menschen. Jede digitale Lösung ist nur so viel wert wie sie auch von ihren Benutzern angewendet, gepflegt und ständig weiterentwickelt wird. Damit dies effektiv geschieht, muss jede digitale Lösung daher voll und ganz auf die Bedürfnisse seiner Nutzer angepasst werden – und zwar aller seiner Nutzer.

 

Zum Beispiel muss man dabei folgendes berücksichtigen:

      • Die Zugehörigkeit der User im Bezug auf das Unternehmen: Sind es Interne und/oder Externe? Dies hat zum Beispiel große Auswirkungen darauf, inwieweit die Nutzer ein Interesse haben, ein neues Tool zu erlernen und zu nutzen.

     

      • Die Vielfältigkeit der Nutzer: Gibt es viele unterschiedliche Gruppen, oder nur eine/wenige homogene Gruppe? Dies hat wiederum Auswirkungen auf:
          • Deren technisches Wissen: Mit welcher technischen Komplexität können sie umgehen?
          • Deren Erwartungshaltung: Welche Funktionen, welchen Aufbau, welche Flexibilität erwarten sie – und verweigern eventuell eine Nutzung, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden?
          • Deren gelerntes Verhalten: Was sind die User von den Geräten und Tools gewohnt, die sie sonst benutzen (privat und beruflich)? Sehr intuitive Benutzeroberflächen? Standardisierte Windows-Layouts? Programmiersprache?

         

      • Die bisher genutzten Geräte und Tools der User: Kann man auf bestehendes aufbauen? Das Rad komplett neu zu erfinden kostet nicht nur Zeit und Geld, sondern erfordert auch, dass man die User überzeugt, vom althergebrachten zu wechseln. Oft ist da ein Auf- und Ausbau sicherer als eine Neuerfindung.

     

      • Der Mehrwert für den User: Man selbst ist natürlich vollkommen von der digitalen Lösung, die man entwickelt/angeschafft hat, überzeugt da sie für das Unternehmen einen klaren Mehrwert bietet. Doch wie sieht das für alle anderen User aus, die das System mitbenutzen müssen, damit es sein volles Potenzial entwickeln kann? Bietet es auch für sie einen wesentlichen Mehrwert, den diese User auch wirklich schätzen? Wenn nicht, wird es sehr schwer bis unmöglich werden, alle User dazu zu bringen, die neue Lösung auch zu verwenden.

     

    • Mögliche Bedenken der User: Skepsis gegenüber Veränderung ist menschlich. Nutzer werden neuen digitalen Entwicklungen grundsätzlich erst einmal vorsichtig gegenüber stehen, und einige Bedenken haben – von Datenschutz, über ethische Fragen bis hin zu einfachen Berührungsängsten. Für eine erfolgreiche Umsetzung einer neuen digitalen Technologie ist es essentiell, dass man diese Bedenken ernst nimmt, anspricht, und aus dem Weg räumt, ob durch Aufklärung oder technischen Anpassungen. Alles andere kann wieder dazu führen, dass die User sich nicht auf die digitale Lösung einlassen und deren volles Potenzial kaum oder gar nicht ausgeschöpft werden kann.

 

Es wird also ersichtlich, dass die Digitalisierung im eigenen Unternehmen nicht nur strategisches und technisches Verständnis voraussetzt, sondern auch eine ordentliche Portion Menschenverständnis.

 

Die Digitalisierung ersetzt Aufgaben, keine Menschen

Eine Hauptangst in der Digitalisierung ist, dass sie Menschen ersetzt – wieder ein schönes Thema, über das sich die Medien zuhauf auslassen. So ganz stimmt das allerdings nicht; die Digitalisierung kann “nur” einfache und auch sehr komplexe Aufgaben automatisieren, die bisher von Menschen ausgeführt wurden. In manchen Bereichen kann dies tatsächlich kritisch werden, wenn z. B. Roboter nun Aufgaben erledigen, die sonst von nicht- bis wenig-ausgebildeten Arbeitskräften ausgeführt wurden. Für diese wird es sicherlich eine Herausforderung, eine neue Lebensgrundlage zu finden, und Ausbildung und Umschulung werden hier eine immense Rolle spielen. In anderen Bereichen jedoch würde ich sogar sagen, dass die Digitalisierung die Aufgaben der Menschen primär unterstützt und das Potenzial ihrer Arbeit noch verbessert.

 

In der Pflege, zum Beispiel, können Roboter und Überwachungssysteme viele grundlegende Aufgaben übernehmen, die heutzutage das vollkommen überlastet Personal noch stemmt. Ob Pillendöschen anrichten, Essen auf Zuruf zubereiten oder erwärmen, oder bei der Suche nach der dreimal am Tag verlorenen Brille helfen – dies wären alles Aufgaben, die denkbar auch mit Robotern oder anderen digitalen Systemen abgedeckt werden könnten. Die menschlichen Pfleger hätten gleichzeitig mehr Zeit und Möglichkeiten, sich um zwischenmenschliche Betreuung zu kümmern, insbesondere der persönlichen Ansprache.

 

Auch wenn die Technik also in der Regel das erste und das häufigste ist, was einem beim Thema Digitalisierung begegnet, steht und fällt der Erfolg des digitalen Wandels schlussendlich doch wieder mit den üblichen Verdächtigen – den Menschen.

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Digitalisierung im Mittelstand

Mit meiner langjährigen Erfahrung im Bereich neue Medien und neue Technologien, meinem besonderen User-Verständnis und meiner ganzheitlichen Denkweise habe ich es mir zum Ziel gesetzt, ein mittelständisches Unternehmen bei der Ausarbeitung und Umsetzung seiner digitalen Strategie zu unterstützen, und so dessen Digitalisierung mit voranzutreiben.

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