Christine Weitbrecht

Digitalisierung im Mittelstand

Aufbau einer digitalen Marketing-Strategie (B2B & B2C)

Eine digitale Marketing-Strategie ist ein wesentlicher Teil der Digitalisierung eines Unternehmens. Kaufüberlegungen, die Recherche von Produktinformationen, Kaufentscheidungen und Käufe an sich finden mittlerweile primär online statt, was bedeutet, dass man als Unternehmen auf alle diese digitalen Vorgänge abzielen und sein Marketing dementsprechend anpassen muss.

 

Digitales Marketing bedeutet, dass man digitale Technologien dazu nutzt, seine Kunden oder Konsumenten digital

  • auf sich aufmerksam zu machen,
  • direkt anzusprechen,
  • zum Kauf motiviert, und danach
  • zu Wiederkäufen bewegt.

 

Die Haupt-Zielsetzung bleibt – wie im klassischen Marketing – Abverkäufe zu generieren und Kunden zu binden. Kurzfristig sollte die Zielsetzung jedoch aus konkreten Unter-Zielen bestehen, wie zum Beispiel, Aufmerksamkeit für die Marke bzw. das Produkt zu schaffen, wenn diese noch nicht besonders groß ist, oder Konsumenten/Kunden dazu zu bewegen, das Produkt bzw. die Marke auszuprobieren, oder eine tiefere Kundenbindung zu schaffen. Diese Unter-Ziele basieren auf der aktuellen Position des Produkts bzw. der Marke in den Köpfen der Kunden/Konsumenten und sollten für alle Marketing-Maßnahmen gelten, ob digital oder klassisch.

 

 

7 Elemente einer digitalen Marketing-Strategie

Eine digitale Marketing-Strategie setzt sich aus 7 wesentlichen Elementen zusammen: Webseite, Onlineshop, Social Media, Newsletter, Paid Media, digitale PR, und Apps.

 

1. Webseite

Die Webseite ist das Kernstück des digitalen MarketingsDie Webseite ist und bleibt das Kernstück des digitalen Marketings. Sie ist der einzige digitale Ort, über den ein Unternehmen eine vollkommene Kontrolle über die Kommunikation hat. Insbesondere im B2B-Marketing ist die Webseite der erste Anlaufpunkt für Kunden, da dort alle wesentlichen Informationen zu einem Unternehmen, Marke, oder Produkt gegeben sind, wie zum Beispiel

 

  • Name, Verfügbarkeit, Ausführungen, Inhaltsstoffe, Kompabilität, wesentliche Maße, Preis, etc.
  • Produktkatalog
  • Kontaktmöglichkeiten und Vertriebsorte
  • Offizielle Verbraucher-Informationen, wie z. B. Produktrückrufe

 

Die Webseite ist der digitale Firmensitz oder eine digitale Visitenkarte. Dementsprechend sollte sie sorgfältig gestaltet sein, da auch hier das Prinzip des ersten Eindrucks gilt. Wer zum Beispiel angibt, innovative Produkte anzubieten, während die Webseite jedoch aussieht, als ob sie seit den frühen 2000ern nicht mehr aktualisiert wurde, verliert sehr wahrscheinlich Vertrauen auf Seiten der Kunden.

 

Neben Produkt- und Kontaktinformationen bietet die eigene Webseite auch viele Möglichkeiten, den Besucher in die eigene Marken- oder Unternehmenswelt eintauchen zu lassen, zum Beispiel in der Form von Selbsttests, welches Produkt am besten auf den Kunden/Konsumenten passt, einem Blog oder einem Magazin, der/das über aktuelle Themen zum Produkt oder relevanten Trends aufklärt, oder Anwendungen, über welche Kunden oder Konsumenten Produkte virtuell ausprobieren können.

 

Ein Hinweis zu SEO (Search Engine Optimization): Mit SEO stellt man sicher, dass die eigenen Inhalte, insbesondere die eigene Webseite, von den richtigen Leuten bei deren Suchen im Internet gefunden wird. Häufig wird SEO als eigenes Element im digitalen Marketing genannt; aus meiner Sicht ist das jedoch nicht richtig. Gute Webseiten sollten in jedem Fall mit Hinblick auf SEO so designt sein, dass sie einfach gefunden werden. SEO ist daher ein Element einer guten Webseite und nur indirekt ein Element einer guten digitalen Marketing-Strategie.

 

2. Onlineshop

Ein Online-Shop ist extrem wichtigWenn möglich, sollte die eigene Webseite auch direkt mit einem eigenen Online-Shop verbunden sein, damit die Besucher direkt vor Ort einkaufen können. Alternativ ist es auch möglich, den Onlineshop eines Drittanbieters zu nutzen, wie zum Beispiel Amazon oder Ebay; in diesem Fall sollte von der Webseite eine direkte Verlinkung in diese „Shops in Shop“ bestehen. Für den Fall, dass keine dieser Optionen möglich ist, kann man einen Notiz- oder Einkaufszettel generieren, den die Besucher an ihre E-Mail-Adressen schicken oder in Shopping-Apps abspeichern können.

 

Bei B2B-Unternehmen ist es außerdem möglich, dass man statt einer Einkaufsfunktion eine Kontaktfunktion zur zuständigen Vetriebsperson bietet, bei der mit der Anfrage des Kunden sofort die Produkte mitgeschickt werden, welche der Kunde online angesehen oder gespeichert hatte.

 

3. Social Media

Bei Social Media geht es um die Wahl der richtigen NetzwerkeSoziale Medien sind mittlerweile die Hauptinformationsquelle für viele Konsumente, und auch für B2B-Kunden steigt ihre Relevanz. Bevor man jedoch mit Seiten bzw. Accounts auf allen aktuellen Sozialen Medien loslegt, sollte man genau wissen:

 

  • Wer genau zur eigenen Zielgruppe gehört

Diese Frage sollte sehr einfach zu beantworten sein; immerhin ist die Zielgruppe eine wesentliche Grundlage der gesamten Marketing-Strategie als auch der Geschäftsstrategie. An wen möchten Sie verkaufen? Für wen bieten Ihre Produkte den meisten Mehrwert? Diese Frage ist unumgänglich für ein effektives, zielgerichtetes Marketing.

 

  • Welche sozialen Medien die Angehörigen der Zielgruppe nutzen

Es gibt mittlerweile kein soziales Medium mehr, auf dem jeder vertreten ist. Selbst bei großen Netzwerken wie Facebook ist es so, dass viele Menschen dort zwar noch ein Profil haben, es aber kaum bis gar nicht nutzen. Die anderen Netzwerke sind sehr spezialisiert und richten sich an Benutzer, die gewisse Interessen haben. Daher ist es wichtig, zu wissen, welche sozialen Medien bei der eigenen Zielgruppe überhaupt relevant sind. Soziale Netzwerke zu bespielen, die gar nicht von der Zielgruppe benutzt werden, ist vergebene Mühe.

 

  • Welche Inhalte auf einem jeweiligen Medium erwartet werden

Die meisten sozialen Medien unterscheiden sich durch deren Inhalte voneinander. Während Nutzer (vereinfacht gesagt) auf Instagram zum Beispiel qualitativ-hochwertige Bilder erwarten, welche sie am Leben oder den Geschehnissen anderer teilhaben lassen, geht es bei Twitter um offizielle Informationen und dem Austausch unter Experten und Meinungsführern. Erfolgreiche YouTube-Videos bieten in der Regel entweder einen Unterhaltungswert oder zeigen Anwendungstipps (oft auch beides in einem). Und auf Snapchat erwarten User einen Blick hinter die Kulissen, bei dem man sich selbst nicht so ernst nimmt. Diese ungeschriebenen Regeln muss man beachten, wenn man sich dazu entschließt, ein soziales Netzwerk in sein digitales Marketing einzubinden, da man selbst genau diese Art von Inhalten zur Verfügung stellen muss, um sich erfolgreich in das Medium einzufügen.

 

Je nach Art der Inhalte bedeutet das einen unterschiedlichen Aufwand für deren Erstellung und Pflege, der sich dann natürlich auch in Form von Kosten und benötigten Ressourcen niederschlägt.

 

  • Was das Unternehmen bzw. die Marke überhaupt mitzuteilen hat?

Unterschiedliche Medien benötigen eine unterschiedliche Fülle an Inhalten. Hier ist es wichtig, sich zu fragen, was man denn überhaupt über sich mitteilen kann. Immer nur dasselbe Produkt aus verschiedenen Blickwinkeln zu posten (überspitzt gesagt), wird kaum begeisterte Follower anziehen. Bevor man also ein soziales Medium benutzt, sollte man sich auch überlegen, was man darüber regelmäßig und abwechslungsreich mitteilen kann.

 

4. Newsletter

Newsletter sind weiterhin effektivNewsletter bleiben weiterhin ein wichtiges Instrument im digitalen Marketing, und zwar insbesondere im B2B-Marketing. Während man im Bereich B2C Newsletter vor allem dazu nutzen kann, besonders treue Kunden mit speziellen Rabatten oder Vorab-Informationen zu belohnen, haben Newsletter im B2B-Marketing die Möglichkeit, Kunden regelmäßig direkt über deren E-Mail-Postfächer an ein Produkt oder ein Unternehmen zu erinnern, und sich dabei als Partner des Kunden positionieren. In der Business-Welt zählen Expertise und aktuelle Informationen. Wenn es also möglich ist, dass man seinen Kunden per Newsletter regelmäßig Informationen zukommen lässt, die für ihren Tätigkeitsbereich relevant sind und die ihnen dabei helfen, ihr Wissen weiter auszubauen und sich über Trends zu informieren, kann man durch Newsletter im B2B-Marketing eine enge Kundenbindung aufbauen. Je personalisierter ein Newsletter dabei ist, umso besser – sprich, man schickt unterschiedliche Newsletter an Angehöriger unterschiedlicher Branchen, oder unterschiedlicher Fachbereiche, unterschiedlicher Hierarchiestufen, o. ä..

 

5. Paid Media

Paid Media schaffen zusätzliche ReichweitenPaid Media, also bezahlte Werbung im Internet, ob in Form von Online-Bannern, als Anzeigen auf sozialen Medien, oder auch Google Adwords, werden häufig von Unternehmen benutzt, um die eigene Reichweite online noch mehr auszuweiten. Auch wenn diese Reichweite nicht organisch ist, sind Paid Media in der Regel unumgänglich, da mittlerweile die meisten sozialen Netzwerke Unternehmen für wesentliche Reichweiten bezahlen lassen, sowie dafür, dass man mit ihrer Hilfe sehr genau seine Zielgruppen ansprechen kann.

Viele Internet-User benutzen mittlerweile AdBlocker, um Online-Werbung aus dem Weg zu gehen. Trotzdem zahlen sich Paid Media derzeit in der Regel immer noch aus. Falls man sich dazu entschließt, Paid Media als festen Teil seiner digitalen Marketing-Strategie einzubinden, würde ich empfehlen, eine Media-Agentur einzubinden. Auch wenn es relativ einfach ist, Online-Anzeigen selbst einzustellen, bieten Media-Agenturen Vorteile:

  • Breites Fachwissen, inklusive guter Kenntnis der neuesten Trends und Entwicklungen im Paid-Media-Bereich
  • Weitreichende Erfahrung, insbesondere durch die Arbeit mit verschiedenen Kunden und Branchen
  • Häufig ein direkter Draht zu den Anbietern von Paid Media, wie z. B. Google, Facebook, Twitter, etc.: Auch wenn man als einzelnes Unternehmen leicht Werbung über diese Anbieter einstellen kann, sind sie für einzelne Unternehmen kaum bis gar nicht erreichbar. Gute Media-Agenturen haben jedoch in der Regel Ansprechpartner bei diesen Anbietern und können von ihnen direkt zu Kampagnen beraten werden

 

6. Digitale PR

Auch PR wird digitalisiertAuch in der Presse-Arbeit gibt es durch die digitalen Medien einige Veränderungen. Während sowohl Zeitungen als auch Zeitschriften eine Online-Präsenz aufgebaut haben, sind auch noch weitere, neue Meinungsführer hinzugekommen, wie zum Beispiel Social Media Influencer oder auch reine web-basierte Magazine und Blogs.

Diese müssen zum einen auch in die Presse-Arbeit aufgenommen werden, benötigen andererseits jedoch Inhalte, welche sehr von den klassischen Pressemitteilungen abweichen, wie zum Beispiel Videos und viele Bilder anstelle von langen Texten. Dazu gehören auch detailliertere Produktinformationen, wie zum Beispiel Preise, Ausführungen, Gewicht, Maße und Links zu Online-Shops; häufig werden diese von Lesern angefragt.

 

7. Apps

Vorletzte Woche habe ich bereits darüber geschrieben, ob und wann man eine App für die eigene Marke entwickeln sollte. Grundsätzlich gelten dieselben Prinzipien auch für Apps im B2B Bereich.

 

 

 

 

Natürlich ist es nicht leicht, alle sieben Elemente erfolgreich aufeinander abzustimmen, sodass man eine digitale Marketing-Strategie erhält. Ohne erfahrene Digital Marketing Manager ist dies fast unmöglich. Dennoch sollten diese Punkte zumindest dabei helfen, ein grobes Gerüst für das eigene digitale Marketing aufstellen zu können, und einen guten Digital Marketing Manager auszuwählen, falls es im Unternehmen noch keinen gibt.

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Übersicht: Relaunch Konferenz „Digitalisierung im Mittelstand: Strategie und Umsetzung“

Relaunch Konferenz Digitalisierung im Mittelstand
Bild: Infopark auf Twitter

Am Montag den 26.2.2018 war ich in Berlin auf der Relaunch Konferenz zum Thema “Digitalisierung im Mittelstand: Strategie und Umsetzung”. Der Tag war vollgepackt mit Vorträgen, zu unterschiedlichsten Themen – von den Grundlagen einer digitalen Strategie über Arbeitskonzepte der Zukunft bis hin zum Marketing in Zeiten des Internet of Things. Trotz dieser Vielseitigkeit und einer unglaublichen Fülle an Inhalten gab es doch ein paar rote Fäden welche immer wieder in den Vorträgen auftauchten und die ich an dieser Stelle zusammenfassen möchte.

 

 

1. Eine erfolgreiche Digitalisierung erfordert Kundenzentrierung

 

In der Digitalisierung steht der Kunde im Mittelpunkt. Unternehmen müssen genau wissen

  • wer genau ihre Kunden sind, sowohl direkt als auch indirekt (Händler vs. Endkunden),
  • wie die Kunden das Produkt des Unternehmens wahrnehmen und beurteilen,
  • welche Pain Points, also Probleme und Hindernisse, Kunden täglich erfahren,
  • und was aus Kundensicht ein wirklicher Mehrwert eines Produkts ist – und was nicht.
Der Kunde im Mittelpunkt
Die Bedürfnisse des Kunden müssen im Mittelpunkt stehen

 

Eine solche Analyse erfordert, dass ein Unternehmen proaktiv Marktforschung betreibt, und sei es nur einfach durch Interviews mit den Kunden. Unterstützung von Design-Thinking-Experten kann hier besonders hilfreich sein, da sie darauf trainiert sind, die richtigen Fragen zu stellen, damit am Ende der Köder dem Fisch schmeckt und nicht dem Angler (Alexandra Horn). Insbesondere in den Bereichen Produktentwicklung und Marketing ist eine Kundenzentrierung absolut notwendig, damit am Ende des Tages ein Produkt entsteht, welches durch Nutzbarkeit und nicht von Technik definiert wird.

 

 

2. Die eigene Wertschöpfungskette zeigt auf, wo sehr wahrscheinlich eine Disruption stattfinden wird

 

Häufig stehen Unternehmen vor der Frage, wo sie beim Thema Digitalisierung überhaupt anfangen sollen, und wie sie erkennen können, wo eine Disruption droht oder bereits angefangen hat.

Analyse der Wertschöpfungskette für die Digitalisierung
Etwas schwer erkennbar – aber es geht darum, zu bestimmen, wo bestimmte Parteien evtl. umgangen werden können


Einen guten Startpunkt hier bildet hierfür eine Analyse der eigenen Wertschöpfungskette (Bernd Völcker) bei der man ehrlich und sehr genau überlegt, welchen wesentlichen Mehrwert jedes Glied für das nächste Glied und für den Endkunden beiträgt. So wird schnell klar, welche Glieder austauschbar sind und welche nicht. An den austauschbaren Punkten der Wertschöpfungskette erfolgt häufig die erste Disruption. Dabei kann es vorkommen, dass das austauschbare Glied auf einmal komplett wegfällt – z. B. durch Automatisierung – oder durch eine komplett neue Partei ersetzt wird, welche einen wesentlichen Mehrwert bieten kann.

Falls man bei einer solchen Analyse feststellt, dass man selbst ein austauschbares Glied ist,  bietet dies eine Möglichkeit, die frühe Erkenntnis dafür zu nutzen, das eigene Produkt bzw. das eigene Unternehmen so zu verändern, dass ein neuer Mehrwert geschaffen wird. Zum Beispiel kann man sich dabei fragen (Joachim Graf) welche Daten man verkaufen würde und wie, wenn man auf einmal nur noch Daten verkaufen könnte, oder welche zusätzlichen Services man seinen Kunden noch anbieten könnte, um ihnen z. B. ihr Leben noch einfacher zu machen.

 

Wichtig ist vor allem, dass man nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern sich geradewegs der sehr wahrscheinlichen Disruption stellt – und sie am besten noch selbst mit vorantreibt. Denn wenn die Geschichte eines gezeigt hat ist, dass wenn es eine Möglichkeit für eine Innovation gibt, wird jemand diese zwangsläufig nutzen. Besser ist da, dass man selbst dieser jemand ist, und nicht die Konkurrenz.

Es reicht zudem auch nicht, eine Analyse der Wertschöpfungskette nur einmal durchzuführen und danach nie wieder. Die Welt ist im stetigen Wandel, daher ist es wichtig, ständig ein Auge darauf zu haben, welche neuen Entwicklungen eine Disruption für die eigene Branche oder das eigene Unternehmen bedeuten könnten. In der Regel lässt sich eine disruptive Innovation daran erkennen, dass eine oder mehrere der folgenden Gegebenheiten vorliegen (Joachim Graf, basierend auf Govindarajan/Kopalle):

  • Das Kern-Feature des Neuen ist dem etablierten Kunden das Kern-Feature egal (“Wozu soll das gut sein?”)
  • Das Neue ist technisch für den Markt nicht zufriedenstellend (“Das ist nicht gut genug”)
  • Das Neue ist billiger (“Wie kann man damit überhaupt Geld verdienen?”)
  • Zum Einführungszeitpunkt nur für den unteren Markt interessant (“Das braucht doch kein Schwein!”)

 

3. Um eine Digitalisierung intern überhaupt zu ermöglichen, braucht es eine neue Firmenkultur

Digitalisieren bedeutet vor allem zu experimentieren. Für jedes Unternehmen bedeutet Digitalisierung etwas anderes, und die technischen Möglichkeiten, die einem Unternehmen für die Entwicklung neuer Produkte und Services zu Verfügung stehen, sind unglaublich zahlreich. Um wirkliche Innovationen schaffen zu können, ist es daher unumgänglich, sowohl eine Kultur als auch Räume zu schaffen, in denen die eigenen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, zu experimentieren und vor allem auch Fehler machen zu dürfen.

 

Aufbau einer Digitaleinheit
Aufbau einer Digital Unit

Damit dabei das eigene Kerngeschäft nicht gefährdet wird, sind viele Firmen dazu übergegangen, Digital Units oder interne Startups zu gründen, die genau solche Räume darstellen (Philipp Depiereux). Im alltäglichen Betrieb läuft das normale Business weiter, bei dem das Ziel ist, so fehlerfrei und effizient wie möglich zu sein, während der Bereich für Innovationen komplett abgekoppelt vom alltäglichen Geschäft ist und vor allem danach gemessen wird, wie viele neue Ideen und Lösungen entwickelt werden.

 

Eine Digital Unit sollte sich aus einem sehr unterschiedlichen Team zusammensetzen, dessen Mitglieder ganz verschiedene Perspektiven mitbringen, wie zum Beispiel Produktentwickler, Marketing-Fachleute, Vertriebler, Design Thinker, und auch ein Projektleiter.

 

Im Rahmen einer grundsätzlichen Kulturveränderung sollte ein Unternehmen darüber hinaus auch noch viel stärker seine einzelnen Mitarbeiter auf allen Ebenen mit einbinden, und zum Beispiel Vorschläge für Innovationen belohnen.

 

Für viele Unternehmen liegt im Schaffen einer neuen Kultur wahrscheinlich die allergrößte Hürde der Digitalisierung. Die gute Nachricht ist, dass die meisten Unternehmen bereits viele, wertvolle Stärken haben, auf die sie aufbauen können. Viele von ihnen können auf eine langjährige Erfahrung in ihrer Branche zurückblicken, kennen Kunden und Produkte seit Jahrzehnten, und genießen ein großes Vertrauen im Markt. Sie haben eine gewisse Größe und können daher neue Produkte oder Services leicht skalieren oder auch zu einer gewissen Qualität herstellen, von der viele Startups nur träumen können. Für diese Unternehmen geht es daher nun darum, ihre bestehenden Stärken mit Kompetenzen zu komplementieren, die im Zeitalter der Digitalisierung gefragt sind, wie zum Beispiel eine hohe Riskofreudigkeit, eine Highspeed-Umsetzung, und eine maximale Nutzerzentrierung.

 

 

4. Neben einer neuen Firmenkultur benötigt man auch eine neue Struktur

 

Die Digitalisierung ist kein Prozess, den man einmal vornimmt und der dann für immer abgeschlossen ist, sondern eine ständig andauernde Veränderung. Wie, wann und wo ein Unternehmen digitalisiert ist daher eine strategische Frage, die nur vom Top-Management beantwortet werden kann. Auch wenn die IT als Fachabteilung wesentlich an der Umsetzung beteiligt sein muss, hat sie in Entscheidungsfragen nur eine Beraterposition. Es sollte auf gar keinen Fall so sein, dass die Verantwortlichkeit für die Digitalisierung an die IT abgeschoben wird.

 

Neue Strukturen in der Digitalisierung
© Stephan Grabmeier/Kienbaum

Um in einem Umfeld ständiger Veränderung bestehen und erfolgreich sein zu können, ist es wichtig, dass Firmen agil werden (Stephan Grabmeier). Das bedeutet, das alte, streng hierarchische Strukturen aufgebrochen werden, und sich Teams stattdessen flexibel immer wieder neu zusammensetzen können, je nachdem, welche Funktionen gerade gebraucht werden. In der Vergangenheit waren Hierarchien die effizienteste Methode, Informationen weiterzugeben; heutzutage ist dies nicht mehr nötig. Dank neuer Technologien und dem Netzwerkeffekt verbreiten sich Informationen noch viel schneller und in Echtzeit (Dorothee Töreki).

 

Dazu kommt auch, dass man Mitarbeiter auf allen Ebenen mehr Freiheiten gewähren und in deren Urteilsvermögen vertrauen muss. Zielsetzungen sollten langfristig gestaltet sein, die Freiheiten für die Mitarbeiter allerdings eher kurzfristig, damit deren Entscheidungen leicht korrigierbar sind, falls etwas mal schieflaufen sollte. Wer sehr mutig ist, kann auch komplett auf Zielvorgaben verzichten und den Mitarbeitern komplette Freiheit geben, das Beste zu entwickeln, was sie sich vorstellen können. Das kann zu Ergebnissen führen, die weit über eine sonstige Zielvorgabe hinausreichen.

 

Zu guter Letzt muss ein Unternehmen auch berücksichtigen, dass Mitarbeiter zunehmend eine Mitbestimmung in der eigenen Organisation fordern. Sie sind Teilhaber anstatt reine ausführende Kräfte. Auch wenn diese Vorstellung bedrohlich wirken kann, bietet diese Einstellung unter den Mitarbeitern die perfekte Voraussetzung für eine agile Organisation, da sie bedeutet, dass sich die Mitarbeiter für die Organisation mit verantwortlich fühlen und auf Veränderungen proaktiv reagieren, ohne dass es immer einer Anweisung „von oben“ bedarf.

 

5. Nichtstun ist schlimmer als Fehler machen

Die Digitalisierung ist so unaufhaltsam wie der Siegeszug des Autos zu Zeiten der Kutsche, sie bedeutet ständige Veränderung, und wer nicht zu digitalisieren anfängt, bleibt bald auf der Strecke – das war vielleicht der wichtigste Tenor aller Vortragenden.

 

Einfach loslegenViele Unternehmen haben Angst oder zumindest Respekt vor dem Thema Digitalisierung und versuchen, sich durch wasserfeste Pläne abzusichern. Allerdings funktioniert Digitalisierung durch „learning by doing“ – und so ist es vor allem wichtig, einfach einmal irgendwo anzufangen.

 

Auch wenn die Digitalisierung sehr fundamentale Veränderungen mit sich bringt, und ein Unternehmen, eine Branche oder einen Markt von Grund auf revolutionieren kann, ist es nicht nötig, dass man sein Unternehmen ebenfalls komplett digital revolutioniert. Viel wichtiger und effektiver ist es, in kleinen Schritten und Zeitfenstern vorzugehen, zum Beispiel in einer Abteilung anfangen, mit einem Horizont von vier Wochen oder drei Monaten.

Es geht auch nicht darum, Perfektion zu erreichen, sondern etwas Neues. Sobald ein MVP (Minimum Viable Product) erstellt ist, kann man es direkt zusammen mit dem Kunden ausprobieren und so schon einmal wichtige Daten und Erkenntnisse sammeln – und erst basierend darauf dann einen Business- oder Investitions-Plan erstellen.

 

Je länger man wartet, umso mehr muss man später aufholen. Kleine Schritte sind daher immer noch besser als gar keine.

 

Auch in der Digitalisierung gilt: Von nix kommt nix. Damit man experimentieren und ausprobieren kann, muss man neben personellen Kapazitäten und einer Fehler-verzeihenden Kultur auch ein Budget zur Verfügung stellen, mit dem auch wirklich gearbeitet werden kann. Die Beschaffung des Budgets kann übrigens auch mit Innovation verbunden werden, in dem man mit seinen Mitarbeitern zunächst an Veränderungen und Neuerungen arbeitet, welche die operationalen Kosten senken. Die entstehenden Kosteneinsparungen können dann dafür genutzt werden, ein Innovationsbudget zu finanzieren.

 

6. Vorsicht: In einer Hinsicht gibt es tatsächlich ein „richtig“ und ein „falsch“

 

Auch wenn bei es bei der Digitalisierung kein allgemein-gültiges Rezept für Unternehmen gibt, wie sie erfolgreich digitalisieren, gibt es doch ein paar Dinge, die man beachten muss:

 

  • Lediglich einen bestehenden Prozess zu digitalisieren ist keine Digitalisierung des Unternehmens. Die Digitalisierung des eigenen Unternehmens zeichnet sich dadurch aus, dass sie einen Mehrwert schaffen, der größer ist, als einfach nur Daten digital verfügbar zu haben. Vielmehr sollte man darüber nachdenken, wie Prozesse mit Hilfe von digitalen Technologien komplett neu gestaltet werden können.

 

  • Digitalisierung heißt Daten verstehen
    Ein Haufen Schlüssel ist nutzlos, wenn man nicht weiß, welches Schloss man öffnen möchte – genauso ist es mit Daten.

    Nicht alle Daten sind gute Daten. Damit man Daten effektiv nutzen kann und sie als verlässliche Entscheidungsgrundlage verwenden kann, muss man sie verstehen. Auch wenn nicht jeder Manager zu einem Data Analyst werden muss, benötigt man ein gewisses Grundwissen darüber, wie Daten funktionieren, welche Informationen sie enthalten und welche nicht. Nur Daten zu sammeln ist nicht zielführend. Es muss genau erklärt werden können, warum bestimmte Daten gesammelt werden.

 

  • Dasselbe gilt für Algorithmen. Man muss verstehen, wie ein Algorithmus aufgebaut ist, aus welchen Elementen er besteht, und was das für das Ergebnis bedeutet. Ohne ein solches grundsätzliches Verständnis kann ein Algorithmus teilweise mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

 

 

 

Fazit:

Insgesamt fand ich die Konferenz sehr gelungen. Anhand der Fragen aus dem Publikum war erkennbar, dass für viele Unternehmen die Dringlichkeit des Themas Digitalisierung zwar langsam klar wird, sie jedoch die Frage, wo man überhaupt anfängt, häufig überfordert.

Meine Empfehlung wäre in diesem Fall ganz klar, sich einen externen Partner mit an Bord zu holen, der einen beim Prozess der Digitalisierung begleiten kann, in dem er die richtigen Fragen stellt, dabei hilft, eine Digitalisierungsstrategie für das Unternehmen mit ausarbeitet, und dann vor allem auch bei der Umsetzung der Strategie unterstützt. Auch wenn dabei zusätzliche Kosten anfallen, überwiegt beim richtigen Partner am Ende doch der Nutzen, wenn man sein Unternehmen auf seinen speziellen Digitalisierungspfad gebracht hat.

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Digitalisierung im Mittelstand

Mit meiner langjährigen Erfahrung im Bereich neue Medien und neue Technologien, meinem besonderen User-Verständnis und meiner ganzheitlichen Denkweise habe ich es mir zum Ziel gesetzt, ein Unternehmen bei der Ausarbeitung und Umsetzung seiner digitalen Strategie zu unterstützen, und so dessen Digitalisierung mit voranzutreiben.

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